Mit Holz und Sonne für nachhaltige Wärme

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10 Minuten
11.03.2026

Unter langen Strassenabschnitten von Urtenen-Schönbühl entstand in den vergangenen zwei Jahren ein verzweigtes Wärmenetz. Dieser Wärmeverbund der Hohrain AG hat die Wärmeversorgung über die Gemeindegrenze hinweg geprägt.

Nur die unterschiedlichen Schattierungen des Bodenbelags deuten noch auf die abgeschlossenen
Bauarbeiten der Wärmeverbunds-Fernwärmeleitungen hin. Wir sind in Urtenen-Schönbühl und machen uns auf den Weg zur neuen Wärmezentrale der Hohrain AG auf dem Gemeindegebiet von Mattstetten und folgen dabei der rund 2,5 Kilometer langen Wärmeleitung, die unsichtbar unter uns im Boden verläuft.

Wer die Umgebung im Wohn- und Industriegebiet aufmerksam betrachtet, bemerkt, dass die Kaminmündungen einiger Gebäude weder Rauch noch Dampf in die kalte Winterluft abgeben. Kurz vor der Autobahnbrücke zweigen wir ab. Hier weist die hochweisse Dampfsäule aus dem Kamin der neu errichteten Halle den Weg zur Wärmeerzeugung. Die auf dem Areal gelagerten Holzschnitzel geben zusätzlich einen Hinweis, wo sich die Anlage befindet.

Gesetzliche Anforderungen übertroffen

Auf diesem Areal befindet sich die Zentrale der Wärmeversorgung. Die Wärmezentrale der Hohrain AG ist ein Beispiel, wie verschiedene Technologien kombiniert und optimiert werden können. «Die Anlage wurde so geplant, dass gesetzliche Anforderungen nicht nur eingehalten, sondern sogar übertroffen wurden», sagt Annika Berger (siehe Interview unten). Sie ist Projektleiterin der GUNEP AG, welche die Anlage in enger Zusammenarbeit mit den Bauherrschaften und den regionalen Partnerunternehmen geplant und realisiert hat. «So ist weder der Einsatz einer Kondensationsanlage noch jener von Solarenergie verpflichtend, spart aber wertvolle Ressourcen.»

Die in der Verbrennung gewonnene Wärme wird teilweise in bis zu zehn Meter hohen Speichern eingelagert.

Versorgungs- und Ausfallsicherheit garantiert

Die Holzschnitzelfeuerung bildet das Herzstuck der Wärmeversorgung. Die in zwei Silos gelagerten Holzschnitzel werden über ein System von Transportschnecken der Feuerung zugeführt und unter optimalen Bedingungen kontrolliert verbrannt. Die aus der Verbrennung gewonnene Warme wird anschliessend an das Heizsystem abgegeben, in den bis zu zehn Meter hohen Wärmespeichern eingelagert oder direkt an den Verbund abgegeben. Ein grosses Speichervolumen beruhigt den Betrieb und gleicht Lastspitzen aus. Die Versorgungs- und die Ausfallsicherheit für künftige Bedarfsfalle standen beim Bau stets im Vordergrund, sei es bei der Gestaltung der Holzschnitzel-Austragungsanlage oder bei der Dimensionierung der Speicher.

«Der Wärmeverbund Hohrain hat immer noch die Möglichkeit, weitere Liegenschaften anzuschliessen,

Annika Berger, Projektleiterin

Nicht nur Holzschnitzel, auch Rauchgas liefert Wärme

Bei der Verbrennung der Holzschnitzel fallt nebst Wärme auch Rauchgas an. Dieses wird zuerst durch einen Zyklon und einen Gewebefilter gereinigt und dann in die nachgeschaltete Kondensationsanlage geführt. Hinter dem eingebauten Sichtfenster brodelt das durch Rauchgas erwärmte Wasser. Diese dem Rauchgas entzogene Warme wird ebenfalls dem Heizsystem der Anlage zugeführt. Die daraus gewonnene Warme wurde ohne diese zusätzliche Wärmenutzung des Rauchgases direkt an die Umgebung abgegeben.

Ein Gewebefilter reinigt das bei der Verbrennung entstehende Rauchgas und führt es dann in die Kondensationsanlage. Dort wird Wärme zurückgewonnen.

Solarenergie kommt hinzu

Auf den Dächern der beiden Gebäude befinden sich zwei Solaranlagen, die sich auf den ersten Blick nur im Farbton leicht unterscheiden. Doch sie stehen für zwei unterschiedliche Technologien der Solarenergie: Während auf dem einen Gebäude Photovoltaikmodule Strom produzieren, erzeugen die Module auf dem anderen Dach Warme durch Solarthermie. Die Photovoltaikanlage auf dem ersten Dach produziert während eines Jahres ein Vielfaches des von der Energiezentrale benötigten Stroms. Der überschüssige Strom wird lokal in einem ZEV von der Industrie und von Wohnungen genutzt und in einem zweiten Schritt ins Verteilnetz eingespeist. Die Solarthermieanlage wiederum deckt in den Sommermonaten den Wärmebedarf mit Sonnenenergie, was Holzschnitzel spart und somit den regionalen Wald schont.

Zwei Solardächer, zwei unterschiedliche Technologien: Auf dem Dach oben im Bild produzieren die Solarthermiemodule Wärme, auf demjenigen unten im Bild entsteht Strom durch Photovoltaik.

Nachhaltige und regionale Wärmeversorgung

Die GUNEP AG, ein Tochterunternehmen der Elektra, legte bei der Planung des Wärmeverbunds den Fokus auf zwei Punkte: einerseits auf die Einbindung verschiedener Technologien zur Steigerung der nachhaltigen Wärmeversorgung. Andererseits auf die Nutzung vorhandener Strukturen wie zum Beispiel die Zusammenarbeit mit regionalen Partnerunternehmen für Bau und Betrieb. Damit ist aber noch nicht Schluss, denn die Kapazitätsgrenze ist noch nicht erreicht. «Der Wärmeverbund Hohrain hat immer noch die Möglichkeit, weitere Liegenschaften anzuschliessen, und die Energiezentrale bietet Platz für eine weitere Leistungssteigerung», sagt Annika Berger. «Neue Anschlüsse sind also weiterhin willkommen.»

«Eine komfortable Heizlösung»
Interview mit Projektleiterin Annika Berger

Annika Berger, Projektleiterin Wärme, GUNEP AG

Frau Berger, im Wärmeverbund Hohrain arbeiten verschiedene Wärmeerzeugungsquellen zusammen. Warum?

Mittels Holzschnitzeln, Kondensation und Solaranlagen bieten wir den Wärmebezügerinnen und -bezügern eine komfortable und zugleich nachhaltige Heizlösung. Sie brauchen zu Hause bis auf eine äusserst wartungsarme Unterstation keine weitere technische Anlage. Die Wärme gelangt über das Verteilnetz direkt ins Haus. Eine eigenständige Wärmeversorgung mit dem gleich hohen Mass an Nachhaltigkeit ist für eine einzelne Liegenschaft schwer umsetzbar. Im Verbund entstehen Synergien für alle.

Was waren die grössten Herausforderungen in der Realisierung des Wärmeverbunds?

Einerseits die Grösse der Anlage und andererseits die Koordination der verschiedensten Projektbeteiligten und Technologien. Die unterschiedlichen Technologien verlangten von uns bei der GUNEP AG nicht nur fundiertes Wissen der Teilbereiche, sondern auch die Fähigkeit, diese zu einem Gesamtprojekt zu verknüpfen.

Von welcher Grössenordnung sprechen wir da?

Von aussen sichtbar ist nur die Energiezentrale mit den technischen Anforderungen. Unsichtbar hingegen ist das rund 2,5 Kilometer lange Leitungsnetz, das im Boden verläuft. Hier galt es nicht nur auf technischer Ebene, alles exakt zu planen, sondern auch die Anwohnenden und die Gemeinde mit ins Boot zu holen. Zudem mussten wir Lösungen für spezifische Herausforderungen finden, die sich mit dem Leitungsbau in Wohn- und Geschäftsgebieten ergeben – beispielsweise die Parkplatz- und die Anlieferungssituation.

Wie viel CO2 spart der Wärmeverbund Hohrain ein?

Der Wärmeverbund ersetzt hauptsächlich fossile Heizungen, also Heizöl und Gas. Deshalb sind die Einsparungen erheblich. Laut unseren Schätzungen sparen die Beteiligten dank der nachhaltigen Wärmeerzeugung insgesamt rund 2500 Tonnen CO2 im Jahr. Das entspricht etwa 900 000 Litern Heizöl.

Nebst der Holzschnitzelheizung mit Kondensation kommt im Wärmeverbund auch Solarthermie zum Einsatz. Mit welchem Vorteil?

Gerade in einem grossen Verbund sind Solarthermieanlagen sehr sinnvoll, weil sie im Sommer Wärme produzieren. Dies belastet die regionale Holzwirtschaft und die Naherholungsgebiete weniger stark. Die regionalen Ressourcen zu schonen, ist schon heute sinnvoll und wird in Zukunft noch wichtiger sein. In dieser Hinsicht ist der Wärmeverbund der Hohrain AG einen Schritt weiter, als es die Gesetzgebung vorsieht.

Link zur GUNEP AG

Autor*in Simon Eberhard, Fotos zvg
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