Netzstabilität dank Quartierspeicher

Grossspeicher Netzstabilität Jegenstorf
70%
3 Minuten
18.06.2025

Wie bleibt das Netz stabil, wenn die Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen schwankt? Die Elektra geht dieser Frage nach und testet aktuell einen Quartierspeicher auf ihrem Grundstück. Ein bidirektionales Elektrofahrzeug folgt.

Die Energieversorgung steht vor neuen Herausforderungen. Immer mehr Haushalte setzen auf eigene Photovoltaikanlagen, doch die dezentrale Einspeisung belastet das Stromnetz und kann zu Engpässen führen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzt die Elektra auf innovative Lösungen, unter anderem auf
Speicher.

Quartierspeicher als Lösung

Seit April 2025 ist auf dem Grundstück der Elektra ein Quartierspeicher im Einsatz, der überschüssige Energie aufnimmt und bei Bedarf gezielt wieder abgibt. So hilft er, Lastspitzen zu glätten und das Stromnetz effizienter zu steuern.

Doch das ist erst der Anfang: Bis Ende 2025 wird ein bidirektionales Elektrofahrzeug ins System integriert. Es kann nicht nur Strom laden, sondern auch wieder ins Netz zurückspeisen – und so als flexibler Speicher dazu beitragen, das Netz zu stabilisieren.

Berner Fachhochschule forscht mit

Gemeinsam mit der Berner Fachhochschule analysiert und testet die Elektra, wie diese Technologie optimal genutzt werden kann. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten den Weg für zukünftige Speicherstrategien ebnen – mit dem Ziel, Quartiere und Haushalte nachhaltig und stabil mit Strom zu versorgen. Denn Quartierspeicher können dazu beitragen, Leistungsspitzen des lokal erzeugten Solarstroms zu reduzieren und dadurch die Belastung des Stromnetzes zu verringern.

Der Quartierspeicher im Praxistest

Ramona Stoll, Projektmitarbeiterin Netze, Elektra

Wie lässt sich die Quartierspeicherbatterie im Garten der Elektra gezielt ansteuern? Und kann sie das Stromnetz entlasten? Diesen Fragen ist Ramona Stoll, Projektmitarbeiterin Netz bei der Elektra, nachgegangen – und hat praxisrelevante Antworten gefunden.

«Ich habe einen Kontroll-Algorithmus für die Batterie geschrieben, damit sie das macht, was wir wollen», sagt Ramona Stoll. Sie hat an der ETH Zürich Energy Science and Technology studiert. In ihrer Masterarbeit schrieb sie einen Algorithmus für die Quartierspeicherbatterie der Elektra. Ein Projektleiter und ein Programmierer der Berner Fachhochschule unterstutzten sie dabei.

ETH-Wissen für die Elektra

Der Quartierspeicher der Elektra ist seit rund einem Jahr in Betrieb. Ramona Stoll hat ihn über mehrere Monate getestet. «Im ersten Anwendungsfall ging es um Peak Shaving», erläutert sie. Das heisst: Wenn der Strombedarf im Quartier kurzzeitig stark steigt, liefert die Batterie einen Teil der Leistung, damit der Strombezug aus dem Netz nicht so hoch ausfällt. «Zweitens haben wir untersucht, wie die Batterie bei hoher Solarproduktion am Mittag Photovoltaiküberschüsse aufnehmen kann, um die Ruckspeisung ins oberliegende Netz zu begrenzen. Drittens haben wir getestet, ob sich Spitzenlastkosten mit dem Speicher senken lassen.» Fazit: Aus netzseitiger Sicht ist der Quartierspeicher für die Elektra derzeit nicht wirtschaftlich. Die Kosten übersteigen den Nutzen, womit die netzseitige Betrachtung abgeschlossen ist.

Vom Netztest zum Energiespeichertest

Als Nächstes prüft die Elektra den Speicher energieseitig. Also nicht mehr mit Blick auf die Netzentlastung, sondern auf die Nutzung am Energiemarkt. Geprüft werden unter anderem der Einsatz für Systemdienstleistungen und die Verminderung der Ausgleichsenergiekosten.

Eigenverbrauch erhöhen

Für Photovoltaikanlagen-Besitzerinnen und -Besitzer lohnt sich eine individuelle Rechnung: Passt eine grössere Speicherbatterie zur eigenen Photovoltaikanlage, oder rechnet sich die Gründung einer Eigenverbrauchsgemeinschaft wie elektraeigenstrom, bei der Solarstrom in der Nachbarschaft genutzt und verkauft wird? Beide Ansätze können den Eigenverbrauch erhöhen und damit zur Entlastung des Stromnetzes beitragen.

Solarstrom teilen? Mehr Infos zum Eigenverbrauch

Autor*in Celeste Blanc
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