Schutz vor Blitzeinschlag
Blitzeinschlag in den Kamin
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15.11.2021

Wenn es blitzt und donnert, bevorzugt Urs Kallen einen sicheren Unterstand. Er muss es wissen, als Fachverantwortlicher Elektro und Blitzschutz bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB).

Herr Kallen, jeder dritte Feuerschaden an Gebäuden entsteht durch Blitzeinschlag. Allein im Kanton Bern entstehen dadurch Gebäudeschäden von jährlich 3,5 Mio. Franken!
Genau. Und doch verfügt noch nicht einmal jedes fünfte Haus über eine Blitzschutzanlage. Das wollen wir ändern. Denn das Blitzrisiko und die Intensität der Blitze hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Und auch die Elektrifizierung. Denken Sie nur an all die technischen Geräte oder die Minergie-Häuser und Wärmepumpen. Wenn ein Blitz einschlägt, kann das teuer werden.

Urs Kallen ist Fachverantwortlicher Elektro und Blitzschutz bei der Gebäudeversicherung Bern (GVB) und war der diesjährige Referent an der Installateuren-Tagung, die die Elektra jedes Jahr durchführt.

«In der Schweiz schlägt der Blitz zirka 200’000 Mal ein, Tendenz steigend.»

Urs Kallen

Warum haben denn nicht mehr eine Blitzschutzanlage?
Es kursieren unzählige Mythen, warum das Haus vor Blitzschlag geschützt sein soll – ein hoher Baum oder ein Gewässer in der Nähe. Diese Annahmen erweisen sich leider oft als falsch. Ich musste das vor vielen Jahren – vor meiner Zeit bei der GVB – selbst erleben. Links von meinem Haus stand ein hoher Baum, rechts ein Baukran, der Blitz schlug in den First meines Hausdachs ein. Heute verfügt mein Haus über eine Blitzschutzanlage.


Mythen – wir räumen mit dem Irrglauben auf

Schlägt denn nun der Blitz zwei Mal am gleichen Ort ein oder nicht? Testen Sie Ihr Wissen zum Thema Blitz und Donner.

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Ist das für den Fachverantwortlichen Elektro und Blitzschutz bei der GVB nicht Pflicht?
Natürlich! (Lacht)  Aber im Ernst: Eine Blitzschutzanlage sollte heute eigentlich Stand der Technik sein. Und ich hoffe sehr, dass sich die Architekten und Bauplaner ihrer Verantwortung bewusst sind. Es ist ihre Aufgabe, die Hauseigentümer und -eigentümerinnen beim Bau, bei der Sanierung oder Renovation ausreichend zu informieren und den Bedarf einer Blitzschutzanlage zumindest abzuklären.

Wie viel kostet denn eigentlich eine Blitzschutzanlage?
Die äussere oder die innere?

Es gibt zwei?
Ja. Die äussere Blitzschutzanlage schützt das Haus wie ein Faradayscher Käfig. Schlägt der Blitz in das Gebäude ein, wird der Blitzstrom über die installierten Ableiter zur Erdung* gelenkt. Die innere Blitzschutzanlage schützt vor Überspannungen. Das heisst sie verhindert, dass bei einem Blitzeinschlag die technischen Geräte kaputt gehen. Was hier wichtig zu wissen ist: der Blitz kann in einem Umkreis von zwei Kilometer rund um das Gebäude einschlagen und dennoch zu Überspannungsschäden führen.

Wie das?
Wenn der Blitz im Boden einschlägt, kann dieser zum Beispiel über das Stromnetz, die Telefonleitung oder schlicht über das Erdreich den Weg ins Haus finden. Unser Stromnetz mag maximal 400 Volt aushalten, der Blitz verfügt über eine Stromstärke von 20’000 Volt! Diese Überspannung ist tödlich für alle technischen Geräte – und kann auch für die Menschen gefährlich sein.

Was noch offen ist, sind die Kosten.
Stimmt, nur gibt es darauf keine eindeutige Antwort. Der Preis einer äusseren Blitzschutzanlage hängt von der örtlichen Situation ab: wie gross ist das Gebäude, kann Vorhandenes wie ein Metallgelände einbezogen werden, gibt es bereits ein Erder* oder braucht es Aushubarbeiten usw. Erfahrungsgemäss schätze ich die Kosten auf zwischen 4’000 und 8’000 Franken. Die innere Blitzschutzanlage kostet zwischen 500 und 1’500 Franken, je nachdem bei wem Sie diese in Auftrag geben.

*Ein Erder ist bei Neubauten obligatorisch und wird in das Fundament gegossen. Alternativ kann um das Gebäude eine Ringleitung aus Kupferdraht in den Boden eingelegt werden.

GVB zahlt mit

Die GVB beteiligt sich mit einem einmaligen Betrag von maximal 250 Franken an einer inneren und mit einem Beitrag von mindestens 1’500 und maximal 2’500 Franken an den Installationskosten von äusseren Blitzschutzsystemen. Mehr Information erhalten Sie unter feuerstopp.ch/blitz.

Richtig oder falsch? Testen Sie ihr Wissen!

Blitze schlagen immer in die höchsten Bauten ein. Gebäude in der Nähe von Türmen, Bäumen, Hochhäusern oder Hochspannungsleitungen sind also sicher.

Falsch. Ein Blitz geht den Weg des geringsten Widerstands. Je nach Windrichtung und Luftfeuchtigkeit kann er auch in ein Haus einschlagen, das neben einem höheren Objekt steht.

Ein Blitz schlägt nicht zweimal am gleichen Ort ein.

Falsch. Blitze können sehr wohl mehrmals am gleichen Ort einschlagen.

Auf offenem Feld sollte man sich bei einem Gewitter flach auf den Boden legen.

Falsch. Dadurch vergrössert man die Fläche, auf die der Blitz treffen kann. Stattdessen eine Vertiefung suchen, sich hinsetzen, den Kopf einziehen und mit den Armen die Knie umklammern.

Blitzableiter ziehen Blitze an.

Falsch. Blitzableiter ziehen Blitze nicht an, sie leiten Blitze geordnet in den Boden ab.

Blitzableiter verhindern den Einschlag von Blitzen.

Falsch. Blitzableiter verhindern Einschläge nicht, aber sie leiten sie kontrolliert ab und bewahren Gebäude, Bewohnerinnen und Bewohner und Tiere vor grossem Schaden.

«Vor den Eichen sollst du weichen, nur die Buchen sollst du suchen.»

Falsch. Dem Blitz ist die Baumart egal. Jedoch sollte man mindestens zehn Meter Abstand zu einzelnen Bäumen halten.

Während eines Gewitters darf man nicht duschen.

Je nachdem. In neuen Gebäuden mit Blitzschutzsystemen ist man auch beim Duschen grundsätzlich sicher. Bei alten Gebäuden empfiehlt die GVB, mit dem Duschen zuzuwar­ten, bis das Gewitter vorbeigezogen ist.

Während eines Gewitters sollte man alle Stecker von elektrischen Geräten ausziehen.

Je nachdem. In Gebäuden mit inneren Blitzschutzsystemen sind die Geräte vor Überspannung geschützt. Ohne Blitzschutz ist es aber durchaus sinnvoll, die Stecker auszuziehen.

Es gibt kalte und warme Blitze.

Falsch. Es gibt lediglich stärkere und weniger starke Blitze. Ob es zu einem Brand kommt, ist abhängig von der «Nahrung», die ein Blitz auf seinem Weg in den Boden antrifft (Staub, Heu, Holz usw.).

Im Auto ist man während eines Gewitters sicher.

Richtig. Die Metallkarosserie eines Autos bildet einen Faraday’schen Käfig. Das Auto ist zudem durch die Reifen vom Boden isoliert. Geschützt ist man auch in Zügen, Flugzeugen und Seilbahngondeln. Radfahrer und Motorradfahrer sollten jedoch abstei­gen, ihr Zweirad abstellen und sich in Sicherheit bringen.

Vielen Dank fürs Mitmachen.

Das Quiz stellt uns die Gebäudeversicherung Bern (GVB) zur Verfügung. Wenn Sie mehr über Blitzschutzanlagen und Überspannungsschutz erfahren wollen, besuchen Sie die Seite der GVB feuerstopp.ch/blitz.

Autor Noëmi Bourquin
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